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Okt. 2017 - über die Zukunft von TYPO3 philosophieren

Im Oktober 2017 kam es wieder mal hoch, das ständige "Updaten" der TYPO3 Version(en) und wie immer, daß es so selten problemlos funktioniert. Dabei wurde wieder mal darauf hingewiesen, daß es doch ganz einfach sei, mit TYPO3 ganz normale 0815 Seiten zu bauen. Wenn das wirklich so wäre, würden die Lobeshymnen über TYPO3 seit 2014 nicht so gnadenlos versickern.

Die Antworten auf Jochens initialen Post waren teilweise unglücklich. Einen Neueinsteiger schreckt das Gebaren sowieso nur noch ab. Und wenn an den UNIs, zu denen ich Zugang hatte, TYPO3 zum Schreckenszenario für die Admins wird, läuft etwas grundlegend falsch.

So hatte ich folgendes als Post Nummer 7 (oder so) hinzugefügt:

am 30.10.2017

Am 31.10.2017 13:51, schrieb Steffen :

  • Hallo zusammen,
  • ich wollte dem Ganzen mal ein Erfahrungsbericht eines Nichtprogrammierers, also "Nur-Admins",  beifügen.
  • ...........
  • Bin gespannt wo das noch hinführt…
  • Viele Grüße, Bernhard

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Am 20.10.2017 um 13:26 schrieb RDE Wiesbaden:

>> >>
>> >> Bin gespannt wo das noch hinführt…
> >
> > Man nennt das auch : Sich sein eigenens Grab schaufeln.
> >
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Und jetzt kommt mein Teil 2 dieser Ausführung :


Hier eine Betrachtung aus der Erfahrung von 40 Jahren EDV Marketing und der philosophischen Seite der Geschichte sowie aus der Sicht des Programmierers und gleichzeitig des Anwenders :

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  • Guten Abend
  • auf diesen ersten Post hin habe ich 5 oder sogar 7 Kommentare gelesen. Und jeder hat aus seiner eigenen heutigen Sicht vielleicht Recht oder glaubt es jedenfalls.

  • Nach fast 40 Jahren EDV sehe ich das aber aus einer ganz anderen Sichtweise und die hört bei mir eben nicht "Morgen Früh" auf.

  • Viele von Euch haben zum Beispiel noch nie etwas von DATAFLEX, Revelation, Sensible Solution, Dbase3 oder Delphi usw. usw. usw. gehört, alles Entwicklungen, die im Laufe ihres Lebens einen tollen Höhenflug hatten und immer weiter nach der "Eierlegenden Wollmilchsau" gestrebt hatten und alle sind auf der Gaußchen Glockenkurve (wieder) in die Bedeutungslosigkeit runter gerutscht.

  • Was ist von der begeisterten Community von TYPO3 aus der Zeit von 2003 übrig geblieben ? Damals eilte dem Namen "TYPO3" ein Nimbus voraus, der ab Version 3.8x sogar voll gerechtfertigt war.

  • Die Experten nennen das "eine Marke" positiv aufbauen und dann vom Lawineneffekt ernten.

  • Lese ich heutige Kommentare (2017), ist der Nimbus, das Image und damit die Reputation von TYPO3 ziemlich weit unten. Von grenzenloser Begeisterung lese ich seit mehr als 3 Jahren nichts mehr.

  • Bricht aber diese große Community in sich zusammen, dann bleiben eben diese paar großen Agenturen übrig, die aber die aktuelle Entwicklung auf Dauer doch nicht finanzieren können, da sie alle miteinander im Wettbewerb stehen und gegenseitig um die verbleibenden großen Aufträge buhlen und kämpfen müssen und auch kämpfen werden.

  • Dem Borland Produkt "Delphi", in das ich recht tief reinschaun durfte, ist genau dieses widerfahren. Es wurde immer komplexer, man konnte alles !! - aber auch alles - damit machen, wenn man die 12 oder 15 Bücher gelesen hatte - und !! danach alles resident im Kopf hatte.

  • Ebenso DATAFLEX alias Visual Dataflex. Sicher gibt es in Europa und in den USA noch ein paar Systemhäuser oder Agenturen, die mit Dataflex ein paar ganz spezielle Anwendungen entwicklen. Aber habt Ihr den Namen wirklich schon mal gehört ?

  • Bei sehr ähnlicher vergleichbarer Entwicklung wird nach TYPO3 kein potentieller "Kunde" bzw. Entscheider mehr explizit fragen, so wie es ab 2005 viele Jahre lang der Fall war.

  • Der alte Gauß mit seiner Glockenkurve hatte bislang überall Recht gehabt, das mußten sogar Ascend, Nortel, Lucent, SGI, IBM, Nixdorf und auch Dell und HP leidvoll erfahren. Wenn man die Entwicklung aber im Vorhinein sehen kann, könnte man geschickt gegenlenken und eben nicht propagieren :

  • "Wir schaffen das" und "weiter so" ........

  • denken. Aus meiner Sicht ist hier doch - im Gegensatz zur Politik - ein erhebliches Intelligenz-Potential vorhanden.

  • Man könnte zum Beispiel von Daimer Benz lernen, daß die die kleinen Smarts und Mercedes 200er für die Masse und das Image brauchen, um die großen Schlachtschiffe gewinnbringend zu verkaufen.

  • Warum gibt es keine aktualisierte bzw reparierte Version, die sich an dem Leistungsumfang z.B. der 4.2.99 oder 4.5 orientiert, der für so viele Anwender völlig ausreichend war - als "Standard Edition" - von einer super tollen alles könnenden "Enterprise Edition" abgeleitet.

  • Mercedes und Audi wissen sehr genau, warum sie die Luxuskarossen ohne "die Kleinen" nicht verkaufen können.

  • Nachsatz :
  • Ich mache das mit den ca 22.000 Museenseiten übrigens auch ehrenamtlich und von Anfang (seit 2003) an für die Allgemeinheit kostenlos und verdiene damit kein Geld, eher im Gegenteil, da fließt viel Geld rein.

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Grüße aus Wiesbaden
Gert Redlich
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eine Antwort vom 1.11.2017 kam so :

Hmm sehr interessant hier zu lesen.

Bis auf die URL Geschichte, halte ich es aber nicht für sehr schwer (bzw. nicht schwerer als "früher") eine 0815 Seite mit TYPO3 auf zu bauen - auch oder vielleicht auch gerade wegen Gridelements und Mask. (ich bin aber erst seit 6.0 dabei - wie es vorher war, ka)

Ich schau mir immer mal wieder andere CMS an, Contao Drupal Wordpress Grav CMS usw.
Mag sein das es aus reiner Programmierer Sicht das ein oder andere CMS einfacher zu handhaben ist - aus Redakteur Sicht, sieht das meiner Meinung nach anders aus, ich kenne kein anderes CMS das ein solch klares Strukturiertes BE hat wie TYPO3 - und ich als Programmierer programmiere ja eben genau für Redakteure.

Ich glaube das Typo3 noch nie ein CMS war für Hobbyisten - und das es für eben jene immer schwieriger wird, kann ich nach vollziehen und bemängle ich auch bei jeder Gelegenheit.

  • Anmerkung : Und da irrt der Schreiber, der erst seit TYPO3 Version 6 dabei ist. Er ist zu jung und kennt die Historie und den Aufstieg von TYPO3 nicht mehr.

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Ein ganz "alter" TYPO3-ler schreibt dazu :


Guten Morgen,

Am 01.11.2017 um 00:11 schrieb Christian :
> Hmm sehr interessant hier zu lesen.
> Bis auf die URL Geschichte, halte ich es aber nicht für sehr schwer (bzw. nicht schwerer als "früher") eine 0815 Seite mit TYPO3 auf zu bauen - auch oder vielleicht auch gerade wegen Gridelements und Mask. (ich bin aber erst seit 6.0 dabei - wie es vorher war, ka)
>
> Ich schau mir immer mal wieder andere CMS an, Contao Drupal Wordpress Grav CMS usw.
> Mag sein das es aus reiner Programmierer Sicht das ein oder andere CMS einfacher zu handhaben ist - aus Redakteur Sicht, sieht das meiner Meinung nach anders aus, ich kenne kein anderes CMS das ein solch klares Strukturiertes BE hat wie TYPO3 - und ich als Programmierer programmiere ja eben genau für Redakteure.
>
> Ich glaube das Typo3 noch nie ein CMS war für Hobbyisten - und das es für eben jene immer schwieriger wird, kann ich nach vollziehen und bemängle ich auch bei jeder Gelegenheit. :)

  • Wurde aber damals so angepriesen - und war es auch!


>
> Ihr müsst das vielleicht auch mal aus einer anderen Sicht sehen - mit TYPO3 kann ich alles mögliche Umsetzten, wo andere CMS schon lange an ihre Grenzen gestoßen sind und nur mit sehr viel Aufwand umprogrammiert werden müssen - das macht es natürlich auch komplizierter.

  • Stimmt, man kann alles mögliche damit umsetzen.
  • Aber es war trotzdem nicht komplizierter - jetzt schon!


>
> Um auf das erwähnte Beispiel eines Autos zurück zu kommen, eine S-Klasse ist auch komplizierter zu bedienen wenn ich die Möglichkeiten die mir diese Vehicle bietet ausnutzen möchte ;)
> Allerdings stimmt es natürlich, wenn ich nur von A nach B kommen möchte ohne Schnickschnack ist vielleicht z. B. Wordpress geeigneter. :)

  • Immer wieder diese Äpfel und Birnen ...
  • TYPO3 ist ein CMS - Wordpress ist ein Blog ...


>
> Ich für mich sehe halt als riesen Vorteil gegenüber allen anderen CMS die ich kenne (für die meisten Anwendungsfälle von mir):
> - mehrsprachigkeit

  • Brauche ich nicht!


> - multidomainfähigkeit

  • Brauche ich nicht!


> - einfaches Handling von dev stage und live

  • Brauche ich nicht!


> - das BE an und für sich
> - die Möglichkeit ein und den selben Content verschieden und auf einfache Weise aufbereitet - ausgeben zu können.

  • Brauche ich nicht!


>
> Nachteil:
> - Doku
> - das diverse grundlegende Dinge allen voran realURL immer noch umständlich zu handhaben sind und noch immer nicht im Core sind

  • Das kommt dann wahrscheinlich in der Version 13!


> - das vermehrte setzen auf composer und zusätzliche Einführung von yaml (finde ich unnötig da TypoScript schon existiert... warum also noch eine weitere Config Sprache?)

  • Sehe ich auch so ...


>
>
> Das warten auf Module wie zum Beispiel Gridelements stimmt zwar, kann ich aber nicht als Nachteil zählen lassen, da es eine 3-Party Ext ist und dieses Problem bei jedem anderem CMS auch auftauchen kann.
>
>
> Im übrigen halte ich Stand meines Wissens und meiner Meinung :) TYPO3 8 für sowas wie Windows 8 - Ist irgendwie so eine Staging Version, so wie ich die ganzen News etc. lese wird TYPO3 9 erst das fertige TYPO3 8... :D
> Beispiel warum? Zum Beispiel: form ext und mehrsprachigkeit... *hirn klatsch - scheint alles noch nicht so richtig fertig zu sein...

  • Warum wird es dann veröffentlicht?
  • Es waren bisher immer wieder solche Schritte, wo ich mich fragte, warum man nicht mehrere dieser Versionen gezielt in einer Version veröffentlichte!?

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  • Im übrigen bin ich voll und ganz der Meinung von Gert uns stehe an der gleichen Problematik wie Steffen ...
  • 2003 war es wirklich noch toll - auch ein Nicht-Programmierer konnte mit TYPO3 umgehen.
  • Alle meine (eigentlich vielen) Projekte stehen daher noch mit Version 4.5.40 LTS - und werden es auch bleiben.
  • Ich bin inzwischen Pensionär und habe ein anderes Hobby, das mir Spaß macht.
  • Ich arbeite die Geschichte unseres Ortes auf (chronik.stadthaag.com) mit mehreren tausend Seiten.
  • Das befriedigt mich mehr als mich den Updates auf all den freiwillig gepflegten Projekten zu widmen.
  • Denn wenn ich bei allen Projekten durch bin, muss ich von vorne anfangen, weil bereits wieder eine neue Version von TYPO3 nach mir ruft!
  • Sorry, aber da mache ich nicht mit!
  • Aber wie schon öfter vermutet, geht es darum, dass die großen TYPO3-Agenturen immer genug Arbeit haben ...
  • Der kleine Mann - so wie wir es sind - der nicht davon lebt, sondern auf freiwilliger Basis diverse Seiten angelegt hat und diese Pflegt, der interessiert nicht.
  • Dabei war es gerade TYPO3, das man damals angepriesen hat, es für Soziale Projekte zu verwenden ...
  • Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie es für kirchliche Seiten, Projekte in Entwicklungsländern etc. angepriesen wurde ...
  • Ich erinnere mich da z. B. an einen regen Schriftverkehr aus Thailand hier auf der Liste ...
  • Die sind offensichtlich alle schon auf einem einfacheren System unterwegs, weil es mit TYPO3 nicht mehr gewartet werden konnte!


--
Liebe Grüße aus Haag
Gerhard
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12.11.2017 - ein weiterer Nachtrag (nicht im Forum)

Seit ein paar Wochen arbeite ich die Historie von AGFA und BASF (jeweils nur den Bereich Magentbandtechnik) auf. Und dafür habe ich mehrere Zeitzeugen- Befragungen durchgeführt.
Und aus der Vielzahl der Berichte gibt es eine ganz erstaunliche Parallele zu der aktuellen TYPO3 Entwicklung.

Hier meine "Story" :

AGFA und BASF waren in Europa die größten Hersteller von Magnetbändern (Vergleich mit TYPO3 Agenturen) und sie waren knallharte Wettbewerber (genau wie die TYPO3 Agenturen) Denn sie hatten die nahezu gleichen Produkte (TYPO3 als Basis) und sprachen die gleichen Kunden an (bezüglich TYPO3 die großen Organisationen).

Auf den Fach-Messen für Film, Fernsehen und Kino in Berlin, Köln, Düsseldorf und München (ähnlich den Software-Messen im deutschsprachigen Raum) standen ihre Messestände dicht an dicht nebeneinander und die "Kollegen", also die Verkäufer, Techniker, Entwickler usw. und sogar die Chefs (ähnlich die Mitarbeiter / Programmierer / Projektleiter der TYPO3 Agenturen) unterhielten sich in Besucherpausen über Alles und Jedes.

Und Abends ging man gemeinsam in die einschlägigen Kneipen in der jeweiligen Altstadt und begoß den vermeintlichen Messe-Erfolg bis zum Umfallen. Es wurde gesoffen, was das Zeug hielt. Das alles war auf fast jeder Messe gleich.

Doch bei den AGFA/BASF Besäufnissen gab es eine "knall-harte" Grenze : Selbst im Vollsuff - also schon unter dem Tisch liegend - verriet "man(n)" keine Firmengeheimnisse. Das wäre einem beruflichen Selbstmord gleich gekommen.

Hintergrund :
Während AGFA das Schneiden der Magnebänder
wesentlich besser hin bekam als die BASF, es gab dort keine Aufwellungen an den Schnittkanten wie bei der BASF, hatte die BASF das Beschichten der Bänder besser im Griff. Die Magnetschicht hielt gut und verschmierte eben nicht die Videoköpfe wie bei AGFA.

Und dafür hatte die AGFA wiederum die fähigeren Physiker mit den Mixturen bei den Magnetpartikeln (alle bei Bayer sitzend) mit den besseren physikalischen Eigenschaften. (ähnlich den ausgetüftelten TYPO3 Programmiertricks und den wichtigen Extensions)

Dennoch - verraten wurde nichts davon an "die Anderen", - bis die BASF den AGFA Laden komplett übernommen hatte und damit (also mit der späteren EMTEC Magnetbandsparte) gemeinsam pleite ging.

Ein Teil der obigen Erfahrungen ist auf TYPO3 umzumünzen.

Die Komplexität des TYPO3-Kerns wird immer schwieriger zu durchblicken
und immer weniger Entwickler können das neben dem Tagesgeschäft mal so nebenher machen. Das könnte man noch durch Bezahlung auffangen.

Doch das Testen alleine der publizierten Kernel-Entwicklung(en) durch die Masse der TYPO3 Anwender fällt inzwischen gänzlich weg und damit die extrem wichtige Qualitätskontrolle.

Das sieht man ja in 2017 schon, daß immer weniger TYPO3 Anwender sich in den Foren äußern. Sie streichen einfach die Segel und das wars dann. Das Testen müssen jetzt die Agenturen - auch noch - machen und damit wird es für die Kunden immer teurer. Die Menge der publizierten negativen Kritiken und Kommentare ist doch jetzt bereits zu fühlen und abzuschätzen und das hält doch die eigentliche Klientel (von damals) davon ab, sich die neuen TYPO3 Versionen, von denen es unverständlicher Weise mehrere gibt, überhaupt noch anzuschaun.

Auch daß die bereits existierenden Versionen selten bzw. überhaupt nicht bis zum Ende repariert werden, schreckt viele ab. Nimm einfach die neue Version, wird zwar angeraten, doch dann funktioniert überhaupt nichts mehr.

Das ist dann der Todesstoß für eine "Marke" wie TYPO3.
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